Die Natur Am Abgrund

Auswirkungen der russischen Invasion und Besatzung auf die Umwelt

Die immensen âkologischen SchÀden, die der russische Krieg in der Ukraine und weltweit angerichtet, werden in den internationalen Medien nach wie vor kaum thematisiert. Vitsche mâchte die Menschen über die Umweltkatastrophe(n) informieren, die sich in der Ukraine aufgrund des russischen Angriffskrieges und der Besatzung seit 2014 und insbesondere seit der vollstÀndigen Invasion seit Februar 2022 abspielen. Wir sind der Meinung, dass das Wissen um das Problem und deren Ausmaße der erste Schritt zur BewÀltigung und Verfolgung der TÀter ist.

Die stille Katastrophe

eine Umweltkrise, die ΓΌbersehen wird

Russlands Überfall auf die Ukraine stellt den grâßten Krieg auf europÀischem Boden seit dem Zweiten Weltkrieg dar. Zigtausende Opfer und die schwere Verwüstung ganzer StÀdte und Dârfer entlang des russischen Vormarsches haben die Welt erschüttert und führen den Zustand globaler Ungerechtigkeit sowie die FragilitÀt der europÀischen Friedensordnung nach dem Ende des Kalten Krieges vor Augen.

WΓ€hrend die menschliche Dimension des Krieges von ukrainischen wie internationalen Aktivist:innen, Forschenden und Medien sorgfΓ€ltig untersucht und publik gemacht wird, bleibt ein Aspekt der kriegsbedingten VerwΓΌstung durch die russische Invasion noch immer unzureichend erforscht und beachtet — die Auswirkungen auf Natur und Umwelt.

Der fehlende Zugang zu den von Russland besetzten Gebieten in der Ukraine ist hierbei das grâßte Problem, um eine umfassende Darstellung der kriegsbedingten UmweltschΓ€den zu liefern. Einige wenige umfangreiche Forschungspublikationen deuten jedoch darauf hin, dass die russische Invasion vielschichtige ΓΆkologische StΓΆrungen und Katastrophen ausgelΓΆst hat, mit der Folge irreversibler ZerstΓΆrung geschΓΌtzter natΓΌrlicher LebensrΓ€ume und Folgen fΓΌr globale Γ–kosysteme in den kommenden Jahrzehnten.

Foto: Libkos

Zu den wichtigsten Auswirkungen der UmweltzerstΓΆrung gehΓΆren:

Die ZerstΓΆrung lokaler Γ–kosysteme mit endemischer Artenvielfalt nach der Sprengung des Kachowka-Staudamms
Durch die ZerstΓΆrung des Kachowka-Staudamms in der Region Cherson durch Russland wurde ein Gebiet ΓΌberflutet, das der Grâße von NΓΌrnberg und Stuttgart zusammen entspricht (mehr als 600 kmΒ²). Durch die Überschwemmungen wurden neben dutzenden Menschen auch Abertausende von Tieren und Pflanzen in dem durch das von der EU eingerichtete Smaragd-Netzwerk zum Schutz von Γ–kosystemen von gesamteuropΓ€ischer Bedeutung unter Schutz stehende Gebiet getΓΆtet.

Langfristige Bedrohungen der globalen ErnΓ€hrungssicherheit
Der russische Einmarsch in die Ukraine hat mit 174 000 km2 das grâßte verminte Gebiet der Welt geschaffen — eine FlΓ€che, die der Grâße von Belgien, den Niederlanden, der Schweiz, Slowenien und DΓ€nemark zusammen entspricht. Die Kontamination der BΓΆden mit Minen fΓΌhrte zu einer sofortigen Unterbrechung der weltweiten Lebensmittelversorgungsketten. Die daraus resultierende Bedrohung der globalen ErnΓ€hrungssicherheit ist von Dauer.

Steigende Kohlenstoffemissionen
Mehr als 175 Millionen tCO2e ΓΌbermÀßiger Emissionen resultierten aus der russischen Invasion in den ersten beiden Jahren des umfassenden Krieges — eine Menge, die mit den jΓ€hrlichen Emissionen von Industrienationen wie den Niederlanden und Belgien oder Γ–sterreich, Finnland, der Schweiz, DΓ€nemark und Luxemburg zusammengenommen vergleichbar ist.

Den Verbrechen auf der Spur:

Kriegsbedingte UmweltschΓ€den in der Ukraine im Detail

Foto: Libkos

ErnΓ€hrungssicherheit

Die Ukraine ist der weltweit grâßte Produzent und Exporteur von Sonnenblumenkernen und -âl mit einem Anteil von 50% am Weltmarkt und der siebtgrâßte Produzent von Weizen. Die durch die russische Invasion verursachte Unterbrechung der Produktion und Lieferketten im ukrainischen Agrarsektor hat die ohnehin schon prekÀre Lage der weltweiten ErnÀhrungssicherheit noch weiter verschlechtert. Die LÀnder Nordafrikas und Asiens sind mit am stÀrksten von dieser Folge des russischen Angriffskrieges betroffen.

Infolge der russischen Blockade der ukrainischen SeehΓ€fen zu Beginn der Invasion und des spΓ€teren Beschusses von Getreidelagern sanken die ukrainischen Weizenexporte von 6,5 Millionen Tonnen monatlich vor dem Krieg rapide und konnten erst im Zuge der Einrichtung eines ukrainischen Getreidekorridors fΓΌr Schiffe wieder auf 5,2 Tonnen pro Monat gesteigert werden. Zu den LΓ€ndern, die am stΓ€rksten von diesen Getreideexporten abhΓ€ngig sind, gehΓΆren Γ„gypten, Jemen, Indonesien, Bangladesch und Tunesien.

Da 36% der ukrainischen Vorkriegsernte in unmittelbar von der russischen Invasion betroffenen oder besetzten Gebieten erzeugt wurde, musste knapp ein Drittel der ukrainischen Agrarunternehmen im ersten Jahr der Invasion seinen Betrieb einstellen.

Foto: Libkos Video: Divia Documentary

Flora und Fauna

Etwa 1350 Pflanzen- und Tierarten wurden durch die Folgen der Invasion geschΓ€digt. Rund 80 Tierarten, wie der europΓ€ische Bison, der eurasische Luchs und der BraunbΓ€r, sind derzeit in der Ukraine aufgrund des russischen Krieges vom vΓΆlligen Aussterben bedroht.

Die Naturschutzgebiete der Ukraine in den besetzten Gebieten sind besonders bedroht. Viele Tiere des BiosphΓ€renreservats Askania Nova sind aufgrund der Militarisierung des Gebiets unter der russischen Besatzungsmacht entweder gestorben oder wurden verletzt. Allein im Jahr 2023 starben mindestens 150 Antilopen und vier afrikanische BΓΌffel, u. a. durch Wilderei unter der Besatzung.

DarΓΌber hinaus hat die drastische VerΓ€nderung ukrainischer Γ–kosysteme in der NΓ€he der Frontlinie globalen Vogelzugrouten unterbrochen, da das betroffene Gebiet Teil des grâßten meridionalen Zugvogelkorridors durch die Ukraine ist.

Foto: Libkos Video: Divia Documentary

ZerstΓΆrung des Kachowka-Staudamms

Die umfangreichsten lokalen UmwelterstΓΆrungen wurden durch die Sprengung des Kachowka-Staudamms ausgelΓΆst: Durch den Abfluss wurde das gesamte Unterwasserleben des Stausees vernichtet, darunter bis zu 11.400 Tonnen Fische und β‰ˆ10.000 Weichtieren — die gesamte Population. Durch die Katastrophe wurde das gesamte Γ–kosystem irreversibel verΓ€ndert: ein Viertel der neuentstandenen Flora in dem Gebiet sind gebietsfremde Pflanzenarten, die einheimische Pflanzen in ihren LebensrΓ€umen verdrΓ€ngen und so die biologische Vielfalt beeintrΓ€chtigen.

Bei der Überflutung der Gebiete unterhalb des Staudamms ertranken etwa 20.000 Landtiere. Darüber hinaus spülte die Flut mehr als 465 Tonnen Transformatorenâl des zerstârten Wasserkraftwerkes sowie im Stausee abgelagerte giftige Metalle, Pestizide und chlorhaltige Verbindungen ins Schwarze Meer, die zur Bioakkumulation von Chemikalien in Meerestieren geführt haben.

Es ist jedoch unmâglich, das gesamte Ausmaß der SchÀden und die genaue Zahl der Opfer dieses Verbrechens zu ermitteln, da der Zugang zu den besetzten Gebieten am âstlichen linken Ufer des Dnipro, einschließlich der von Russland kontrollierten Stadt Nowa Kachowka, nahe der sich der zerstârte Damm befindet, nicht mâglich ist. Die tatsÀchlichen SchÀden dürften daher viel hâher sein.

Foto: Libkos Video: Divia Documentary

Wasser

Der plâtzliche Einfluss großer Mengen von Süßwasser und giftiger Substanzen in das Schwarze Meer infolge der Staudammzerstârung führte zu einer Verringerung des Salzgehalts und bedroht hiermit Meeresâkosysteme im küstennahen Bereich. Gleichzeitig führte der Abfluss des Kachowka-Stausees zu einem Anstieg des Salzgehalts von OberflÀchen- und Grundwasser, mit der Folge, dass mehr als 1 Million Einwohner:innen keinen Zugang zu Trinkwasser mehr haben. Für die Versorgung müssen nun Filteranlagen und kilometerlange Wasserpipelines einspringen, deren Arbeit durch Stromabschaltungen beeintrÀchtigt werden.

Das Massensterben von Land- und Wassertieren sowie die Verschmutzung des Wassers durch Chemikalien, Deponien und AbwÀsser haben die Verbreitung von Krankheitserregern gefârdert und das Risiko von wasserbedingten Krankheitsausbrüchen deutlich erhâht. Unmittelbar nach der Überschwemmung wurde eine Konzentration von E. coli-Bakterien festgestellt, die das zulÀssige Hâchstmaß um das 5.000-fache überstieg. Dies stellt laut einem Bericht von Truth Hounds eine ernsthafte Gefahr für choleraÀhnliche Infektionskrankheiten dar.

Foto: Libkos Video: Divia Documentary

BΓΆden

In den Gebieten nahe der Frontlinie sind die BΓΆden in mehrfacher Hinsicht geschΓ€digt:

Mechanische SchÀden durch Bodenverdichtung infolge von Bombardierungen, Befestigungsanlagen und den Einsatz von schweren MilitÀrfahrzeugen beeintrÀchtigen das Überleben von Flora und Fauna auf und unter der BodenoberflÀche.

Physikalische SchΓ€den entstehen durch ErschΓΌtterungen aufgrund von Explosionen und Hitzewellen. Die Folgen der Kampfhandlungen fΓΌhren zu extremen WΓ€rme- und Feuchtigkeitsschwankungen und beeintrΓ€chtigen Bodenorganismen und die biologische Vielfalt.

Chemische Bodenverseuchung durch Kraftstoffe, Schmiermittel, LΓΆsungsmittel und giftige Schwermetalle wie Blei, Kadmium, Arsen und Chrom stellt eine ernsthafte Bedrohung fΓΌr die biologische Vielfalt in den betroffenen Gebieten dar. Die Schwermetallkonzentration an diesen Orten ΓΌbersteigt die zulΓ€ssigen HΓΆchstwerte um das bis zu 23-fache.

Die kΓΌnftige Regenerierung der BΓΆden kann mit verschiedenen Methoden begΓΌnstigt werden, z. B. mit der Sukzession, chemischen Extraktion und Stabilisierung. Nach Ansicht von Expert:innen dauert es jedoch Jahrzehnte, die BΓΆden wiederherzustellen.

Foto: Libkos Video: Divia Documentary

Nukleare Sicherheit

Das Kernkraftwerk Saporischschja in Enerhodar wurde in den ersten Tagen der Invasion durch die russischen StreitkrΓ€fte besetzt. FΓΌr den KΓΌhlkreislauf des Betriebs entnimmt es Wasser aus dem Kachowka-Stausee. Nach der ZerstΓΆrung des Staudamms und dem Abfluss des Stausees mussten alternative Wasserquellen fΓΌr die KΓΌhlung gefunden werden — 11 neu errichtete unterirdische Brunnen. Das Wasser reicht zwar, um die 6 Reaktoren zu kΓΌhlen, die sich im Heißabschaltmodus befinden, jedoch nicht, um den Wasserbestand im KΓΌhlbecken des AKW aufrechtzuerhalten. Laut der Organisationen Truth Hounds & Project Expedite Justice kΓΆnnen die KraftwerksblΓΆcke unter diesen UmstΓ€nden zwar im Heißabschaltmodus gehalten werden, β€žjedoch sei die Gefahr fΓΌr UnfΓ€lle erhΓΆht”.

Da das Kernkraftwerk Saporischschja das grâßte in Europa und eines der zehn grâßten weltweit ist, kânnte ein mâglicher Unfall dort zu einer nuklearen Kontamination führen, die das Ausmaß der Tschornobyl-Katastrophe erreicht oder sogar bis zu dreimal übersteigt. Die dabei entstehende nukleare Wolke würde sich weit über die Grenzen der Ukraine hinaus ausbreiten.

Foto: Libkos Video: Divia Documentary

Kohlenstoff-Emissionen

ZusΓ€tzliche 175 Millionen Tonnen COβ‚‚-Emissionen sind in den ersten zwei Jahren seit Beginn der russischen Invasion entstanden, was nach Angaben der Initiative GHG Accounting of War & Ekodiya Research der Inbetriebnahme von 90 Millionen neuen Autos mit Verbrennenmotoren oder dem Bau von 260 Kohlekraftwerken mit je 200 MW entspricht. Ein Drittel dieser kriegsbedingten Emissionen wurde außerhalb der Ukraine und Russlands erzeugt und stehen hauptsΓ€chlich im Zusammenhang mit VerΓ€nderungen im globalen Luftverkehrs- und Energiesektor, was unterstreicht, dass die Auswirkungen dieser Emissionen nicht auf die Ukraine beschrΓ€nkt sind.

Ein weiterer Faktor sind verstΓ€rkte kriegsbedingte LandschaftsbrΓ€nde. Neben der ZerstΓΆrung von WaldflΓ€chen setzten diese Ereignisse zusΓ€tzliche 22,9 Millionen Tonnen COβ‚‚ frei.

DarΓΌber hinaus fΓΌhrten die stΓ€ndigen Angriffe Russlands auf die wichtige Energieinfrastruktur der Ukraine zu einem unkontrollierten Austritt von Schwefel-Hexafluorid, einem der stΓ€rksten Treibhausgase. Diese Angriffe fΓΌhrten zu 17,2 Millionen Tonnen COβ‚‚ an zusΓ€tzlichen Emissionen.

Foto: DSNS Video: Divia Documentary

Die globalen Folgen

WΓ€hrend Russland Lebensmittel als Waffe einsetzte, um die internationale Gemeinschaft unter Druck zu setzen und die ErnΓ€hrungssituation fΓΌr Menschen in kriegs- und krisengebeutelten sowie bevΓΆlkerungsreichen LΓ€ndern zu verschΓ€rfen, nutzte es die AbhΓ€ngigkeit Europas beim Import fossiler Brennstoffe aus Russland aus, um seine strategischen Ziele zu erreichen. Die durch die russische Invasion ausgelΓΆste Energiekrise veranlasste einige LΓ€nder dazu, den anvisierten Green Deal der EU-Kommission aufzuweichen. So musste beispielsweise Deutschland entgegen seines Plans, aus der Kohle auszusteigen, seine Kohleenergieerzeugung ankurbeln, wobei der Anteil der in deutschen Kohlekraftwerken erzeugten Energie im Jahr nach dem russischen Einmarsch in der Ukraine 36,3% erreichte.

Das Comeback der Kohle blieb auch 2024 weltweit ein Thema — die weltweite KohlekraftwerkskapazitΓ€t stieg zum ersten Mal seit 2019 wieder an.

ZusΓ€tzlich zu den zusΓ€tzlichen COβ‚‚-Emissionen, die durch die KriegsaktivitΓ€ten und die RΓΌckkehr der Kohle in vielen LΓ€ndern verursacht werden, zwingt russische Invasion auch einige Fluggesellschaften, internationale FlΓΌge zwischen Europa und Asien umzuleiten, wobei die neuen Routen mehrere Stunden lΓ€nger dauern und zusΓ€tzlich Tausende von Kilometern zurΓΌckgelegt werden mΓΌssen. Die FlΓΌge von Japan Airlines zwischen London und Tokio beispielsweise dauern jetzt 15 statt 11 Stunden, und die Strecke ist um 2.800 Kilometer lΓ€nger. Insgesamt kΓΆnnen die zusΓ€tzlichen 24 Millionen Tonnen COβ‚‚-Emissionen nach SchΓ€tzungen der Initiative on GHG accounting of war auf diese kriegsbedingte Entwicklung zurΓΌckgefΓΌhrt werden, was den jΓ€hrlichen Emissionen von Litauen und Estland zusammen entspricht.

In Anbetracht der Tatsache, dass nach den Angaben des Rechnungshofs der Ukraine bis zu 30% der gesamten ukrainischen Waldgebiete durch kriegsbedingte BrΓ€nde und Russlands Taktik der β€žverbrannten Erdeβ€œ in Mitleidenschaft gezogen wurden, trΓ€gt die rasche Abholzung der Gebiete unter russischer Besatzung und in der NΓ€he der Frontlinie zum weltweiten RΓΌckgang der FΓ€higkeit der WΓ€lder bei, Kohlenstoffemissionen zu absorbieren. Da die Welt jΓ€hrlich etwa 10 Millionen Hektar Wald verliert, ist diese zusΓ€tzliche Abholzung von 3 Millionen Hektar Wald ein bedeutender Schlag fΓΌr die weltweiten BemΓΌhungen, die ErderwΓ€rmung unter 1,5Β°C zu halten und die sich rasch verschΓ€rfende Klimakrise zu bewΓ€ltigen.

Hoffnung im Chaos

In Anbetracht der Tatsache, dass die schlimmsten FΓ€lle von UmweltschΓ€den entweder in den besetzten Gebieten oder in unmittelbarer NΓ€he der Frontlinie auftreten, bleiben der fehlende Zugang und die unmittelbare Lebensgefahr durch Beschuss die wichtigsten Probleme fΓΌr all jene, die versuchen, die UmweltzerstΓΆrungen zu dokumentieren. Dennoch hat die ukrainische Zivilgesellschaft den Kampf nicht aufgegeben und ist aktiver denn je, die Natur und Tiere trotz aller Gefahren zu schΓΌtzen.

Zu den wichtigsten aktivitΓ€ten der ukrainischen Umweltaktivist:innen gehΓΆren:

Foto: Libkos

Rettung und versorgung

von Tieren, die unter den Folgen des Angriffskrieges leiden, und deren Evakuierung in sicherere Gebiete in der Ukraine oder anderswo nach Europa, einschließlich Deutschland. Einige dieser Initiativen arbeiten mit auslÀndischen Organisationen zusammen, z. B. mit dem deutschen Ableger von PETA.

UAnimals

UAnimals ist eine ukrainische Nichtregierungsorganisation, die sich durch einen wirksamen Kampf für Tierrechte und praktische TierschutzaktivitÀten einen Namen gemacht hat. Ein gesetzliches Verbot von Tieren im Zirkus in der Ukraine ist grâßtenteils ihr Verdienst, wÀhrend eine andere Kampagne sieben große ModehÀuser dazu brachte, auf die Verwendung von Tierpelzen zu verzichten. Seit dem Beginn der russischen großangelegten Invasion hat das Team von UAnimals folgendes erreicht:

  • 4.535 Tiere aus der Kampfzone evakuiert
  • ΓΌber 981 Tonnen Futter an die vom Krieg betroffenen Tiere verteilt
  • ΓΌber 21 Projekte zum Wiederaufbau von Tierheimen unterstΓΌtzt
  • die Behandlung von 298 Tieren im Jahr 2023 finanziert, darunter 26 verletzte Tiere, die aus den Regionen Donezk und Cherson evakuiert wurden

Das 'Free Wings' Rehabilitationszentrum fΓΌr WildvΓΆgel

Das von Viktor Shelvinskyi, einem in Lviv ansΓ€ssigen Tierarzt, gegrΓΌndete Rehabilitationszentrum fΓΌr WildvΓΆgel hat im vergangenen Jahr ΓΌber 200 VΓΆgel behandelt und in die Natur zurΓΌckgebracht. Das Zentrum β€žFree Wingsβ€œ beherbergt und behandelt derzeit 386 VΓΆgel von 64 verschiedenen Arten, von denen einige an der Front gerettet wurden.

Zoopatrol und Animal Rescue Kharkiv

Zoopatrol und Animal Rescue Kharkiv gehΓΆren zu den zahlreichen selbstorganisierten Aktivist:innengruppen, die nach der russischen Invasion beschlossen haben, aktiv zu werden und riskante RettungseinsΓ€tze, um zurΓΌckgelassene Haustiere aus durch russische StreitkrΓ€fte zerstΓΆrten StΓ€dten zu retten. Neben den Evakuierungsmissionen und der Vermittlung von geretteten Tieren hat Zooportal mit den gespendeten Mitteln auch ein modernes Tierheim und eine Tierklinik in Irpin gebaut.

Initiativen fΓΌr erneuerbare Energien

Durch gezielte russische Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur wurden ΓΌber 50% der zentralen Strom- und WΓ€rmeerzeugungskapazitΓ€ten des Landes zerstΓΆrt, sodass Millionen Menschen zeitweise ohne Strom, Heizung und Wasserversorgung auskommen mussten. Diese Situation zwang lokale Gouverneure, Aktivist:innen und Forschende dazu, nach dezentralen und regenerativen LΓΆsungen zu suchen, die dazu beitragen, die lebenswichtige Versorgung zu sichern.

Dezentralisierung der Energieversorgung in Schytomyr

Dank der landesweiten Dezentralisierungsreform in der Ukraine, die es den GemeinderΓ€ten ermΓΆglicht, die vor Ort erhobenen Steuereinnahmen eigenstΓ€ndig zu verwalten, konnte die Stadt Schytomyr ihre Energieinfrastruktur erheblich modernisieren. Selbst zu Kriegszeiten konnte sie ihren Kurs hin zu einer nachhaltigeren Energieerzeugung fortsetzen. Neben der Umstellung auf effizientere Stromerzeugung und der ErhΓΆhung des Anteils erneuerbarer Energiequellen verfolgt die Stadt auch die Dezentralisierung ihrer WΓ€rmeversorgung durch den Bau hochmoderner WΓ€rmekraftwerke, die lokal gesammelte HolzabfΓ€lle nutzen. Infolgedessen verbraucht die Stadt β€žnur noch halb so viel Gas wie vor zehn Jahren β€” statt 100 Millionen Kubikmeter, nur noch 47 Millionenβ€œ. Dadurch kann Schytomyr unabhΓ€ngiger versorgt werden und ist weniger von Stromabschaltungen betroffen.

Workshops zu erneuerbaren Energien

Als Reaktion auf den wachsenden Bedarf an nachhaltigen und unabhΓ€ngigen Energiequellen, den viele ukrainische Haushalte aufgrund der russischen Invasion verspΓΌren, organisierte die in Winnyzja ansΓ€ssige Umwelt-NGO β€žSynergyβ€œ in Zusammenarbeit mit der Ukraine-Hilfe Berlin e.V. ein Webinar sowie einen praktischen Workshop zur Installation und Konfiguration hybrider Balkonsolarsysteme. Das Projekt brachte 25 Aktivist:innen, Akademiker:innen, Energiemanager:innen und Binnenvertriebene zusammen, die planen, Balkon-Solaranlagen zu nutzen. Dies soll ihnen die MΓΆglichkeit geben, sich und ihren Gemeinden in Kriegszeiten zu einer zuverlΓ€ssigen und nachhaltigen Energieversorgung zu verhelfen.

Forschung und Monitoring

Viele ukrainische Umweltorganisationen sowie einzelne ukrainische Akademiker:innen und Umweltaktivist:innen fΓΌhren trotz des begrenzten Zugangs zu Daten erfolgreiche Forschungen in Zusammenarbeit mit europΓ€ischen Initiativen durch. Diese Arbeit ist von entscheidender Bedeutung, da viele umweltzerstΓΆrende Prozesse weiter anhalten und mit dem richtigen Wissen abgemildert werden kΓΆnnen.

EcoCity — ΓΌberregionale Monitoring-Zusammenarbeit

EcoCity ist ein Netzwerk von Umweltaktivist:innen aus 15 Regionen der Ukraine, die Daten ΓΌber die kriegsbedingte Verschmutzung von Luft, Wasser und Boden sammeln und analysieren. Mit UnterstΓΌtzung anderer lokaler Umweltforschungsprojekte wie Stop Poisoning Ukraine und Dovkola konnte EcoCity sieben festinstallierte sowie mobile Messstationen einrichten, die insgesamt 20 verschiedene physikalische und chemische Verschmutzungsparameter ΓΌberwachen. Die Initiative hat auch eine digitale Plattform entwickelt, auf der Mitglieder Daten ΓΌber kriegsbedingte Verschmutzung einstellen und austauschen kΓΆnnen.

In Γ€hnlicher Weise fΓΌhren die Initiativen Dovkola und Stop Poisoning Ukraine ihre eigenen unabhΓ€ngigen Messungen durch. Seit Beginn der russischen Invasion haben diese Initiativen gemeinsam Berichte ΓΌber die Wasserverschmutzung durch die ZerstΓΆrung des Kachowka-Staudamms, die kriegsbedingte Luftverschmutzung und die Gammastrahlung in der Umgebung des Kernkraftwerks Saporischschja verΓΆffentlicht.

Juristischer Kampf

Rechtskampf, um Russland nicht nur fΓΌr seinen Angriffskrieg und die Annexion ukrainischer Gebiete zur Rechenschaft zu ziehen, sondern auch fΓΌr seine vorsΓ€tzlichen UmweltzerstΓΆrungen.

WÀhrend die russische Invasion an sich eine Verletzung des internationalen Vâlkerrechts darstellt, zÀhlen die großflÀchigen Umweltzerstârungen zu Kriegsverbrechen, die gemÀß den Genfer Konventionen und dem Râmischen Statut des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) verboten sind. Dennoch gab es bisher wenig bis gar keine Praxis, LÀnder für Umweltverbrechen zur Rechenschaft zu ziehen.

Die Ukraine ist nun Vorreiter auf diesem Weg, indem sie vor dem IStGH 15 potenzielle Verfahren gegen Russland wegen verursachter UmweltschΓ€den anhΓ€ngig macht.

Ein weiteres Problem, auf das ukrainische und internationale Experten:innen hinweisen, ist der fehlende Straftatbestand des β€žΓ–kozidsβ€œ im internationalen Recht. In der Vergangenheit haben LΓ€nder wie Vanuatu und Fidschi versucht, sich fΓΌr die Aufnahme eines Artikels ΓΌber β€žΓ–kozidβ€œ in das RΓΆmische Statut durch den Internationalen Strafgerichtshof einzusetzen. Die Ukraine setzt diesen Kampf nun im Rahmen der β€žEcocide Allianceβ€œ fort. Laut der ukrainischen Parlamentsabgeordneten Yuliia Ovchynnykova, einem Mitglied der Allianz, ist die Annahme einer β€žgemeinsamen und international anerkannten Γ–kozid-Definition” entscheidend, um Russland fΓΌr seine Umweltverbrechen zur Rechenschaft zu ziehen.

Das Unsichtbare sichtbar machen:

Herausforderungen und Prognosen

Die russische Invasion fΓΌhrt in der Ukraine neben weiteren zu einer Reihe komplexer Umweltprobleme, deren Auswirkungen weit ΓΌber das Land und sogar Europa hinausgehen – von der Bedrohung der globalen ErnΓ€hrungssicherheit bis hin zum irreversiblen Verlust der biologischen Vielfalt in eng miteinander verbundenen Γ–kosystemen. WΓ€hrend bereits die sichtbaren UmweltschΓ€den in der Ukraine zu Recht alarmierend sind, geben viele der nicht sichtbaren UmweltzerstΓΆrungen noch grâßeren Grund zur Sorge. Wie mehrere Expert:innen im GesprΓ€ch mit Vitsche feststellten, kann die begrenzte MΓΆglichkeit zur Überwachung und Messung in den besetzten Gebieten dazu fΓΌhren, dass Probleme erst bekannt werden, wenn bereits ein kritisches Ausmaß erreicht wird.

Wir haben nicht genΓΌgend Informationen darΓΌber, was mit der Umwelt in den besetzten Gebieten geschieht, bis zu dem Zeitpunkt, an dem entweder das Ausmaß einer ΓΆkologischen Katastrophe erreicht ist oder deren Folgen nicht mehr zu verbergen sind. Man kann sich nur vorstellen, was mit der Umwelt geschieht, wenn man verfΓΌgbare Fotos oder andere Informationen aus offenen Quellen hat. Ausnahmen sind Situationen wie die in Kachowka – wenn es bereits eine ΓΆkologische Katastrophe ist.

Anastasiia Bondarenko Koordinatorin der Abteilung β€žKlima und Umweltβ€œ Austausch e.V. (Kyjiw)

Rechtsanalytikerin mit Spezialisierung auf Notfallrisikomanagement und umfassender Erfahrung in der Analyse von Umwelt- und Technologierisiken in den Donezk- und Luhansk-Regionen, Mitarbeit in Arbeitsgruppen, die sich mit dem Wiederaufbau der Ukraine befassen, insbesondere in den Bereichen Umweltsicherheit und Klimawandel

Dieses Problem betrifft nicht nur Daten zur Umweltverschmutzung oder den Zustand von Industrieobjekten. Die genaue Zahl der Opfer durch Katastrophen wie der ZerstΓΆrung des Kachowka-Staudamms durch Russland bleibt unbekannt und wird wahrscheinlich ermittelt werden kΓΆnnen, ebenso wenig wie die Zahl der Menschen und Tiere, die aufgrund von nicht-Versorgung oder direkten Angriffe der russischen Besatzungstruppen seit 2014 gestorben sind. Wie die ukrainische Schriftstellerin Sofiia Andruchowytsch betonte:

Wie viele Menschen ums Leben gekommen sind, ist immer noch unbekannt, da sich die Hauptauswirkungen der Katastrophe [in Kachowka] am linken Ufer des Dnipro-Flusses ereigneten, das von Russland besetzt ist. Russland verschweigt noch immer die Zahl der Opfer. Niemand wird jemals zΓ€hlen oder messen kΓΆnnen, wie viele Tiere, VΓΆgel, Fische, Krebstiere und Weichtiere in diesen Gebieten gestorben sind. Was haben ihre Schmerzen und ihr Leid bedeutet, wozu dienten sie, und warum mussten sie so viel Grauen ertragen?

Sofia Andruchowytsch Schriftstellerin

Being a prominent Ukrainian novelist, essayist, and translator, Andrukhovych sheds light on the scale of human and environmental devastation the Russian invasion has brought upon Ukraine, especially in her latest collection of essays titled β€œEverything That Is Human”

In Anbetracht der zahlreichen vernachlÀssigten und hochgefÀhrlichen Industrieanlagen und Energieobjekte in den besetzten Gebieten, darunter das Kernkraftwerk Saporischschja, kann eine solche mangelnde Überwachung schwerwiegende Folgen für die Umwelt des gesamten Kontinents haben.

Langfristig ist das grâßte Problem und die grâßte Konsequenz fΓΌr die Umwelt und die ΓΆkologische Sicherheit das β€šFehlmanagementβ€˜ in umweltgefΓ€hrdenden Anlagen in den Regionen Donezk, Luhansk und Cherson. In [diesen] Regionen waren traditionell große Produktionen mit erhΓΆhter UmweltgefΓ€hrdung konzentriert — chemische und kokschemische Produktion, Metallurgie, GZK, chemische Pflanzenschutzmittel usw. Mit diesen ΓΆkologisch gefΓ€hrlichen Produktionen gab es schon in Friedenszeiten Probleme. Unter den Bedingungen der Okkupation zeigt der Feind keinerlei Bestreben, ihre ΓΆkologische GefΓ€hrlichkeit zu berΓΌcksichtigen oder zumindest die Ausbreitung der von ihnen ausgehenden potenziellen Verschmutzung zu verhindern.

Maksym Soroka β€žDovkola"-Netzwerk

Experte fΓΌr ΓΆkologische Sicherheit und UmweltΓΌberwachung, Koordinator des β€žDovkolaβ€œ-Netzwerks, außerordentlicher Professor an der Ukrainischen Staatlichen UniversitΓ€t fΓΌr Wissenschaft und Technologie. Maksym hat wesentlich zur Entwicklung des bΓΌrgerwissenschaftlichen Modells der Umweltforschung in der Ukraine beigetragen.

Die Situation der Kohlebergwerke in den besetzten Gebieten ist besonders besorgniserregend. Viele der Kohlebergwerke sind miteinander verbunden, insbesondere durch das Grundwasser. Das bedeutet, dass bei einer Überflutung einer der Kohlegruben aufgrund mangelhafter Wartung, wie es in den besetzten Gebieten hÀufig vorkommt, auch die benachbarten Gruben überflutet werden und das Grundwasser mit Schwermetallen angereichert werden. In der Folge wird das Trinkwasser in der Region für den menschlichen Verzehr ungeeignet und die Bâden unfruchtbar. Darüber hinaus geht die Verschmutzung durch giftige Schwermetalle weit über die regionale Ebene hinaus und kann sich europÀischen Flussnetz und im Schwarzen Meer ausbreiten, wie Anastasiia Bondarenko feststellt:

Oft erfuhren wir erst von der Situation im ukrainisch-kontrollierten Gebiet, wenn die negative Folgen aus den besetzten Gebieten β€œkamen”, wie im Fall von Zolote, das zum Teil besetzt und zum Teil ukrainisch-kontrollierten war. Die Bergwerke β€žPerwomaiskaβ€œ und β€žRodynaβ€œ, die sich im besetzten Teil der Stadt Zolote befinden, begannen das Bergwerk β€žZoloteβ€œ, das mit diesem hydrologisch verbunden ist, zu ΓΌberfluten. 2018 kam es zu einem Durchbruch des Grubenwassers. Dieses vergiftete nicht nur den Boden und das Grundwasser mit Schwermetallen, sondern gelangte auch in das OberflΓ€chenwasser – der Fluss Komyschuwacha fΓ€rbte sich unnatΓΌrlich orange. Da war klar, dass dieses Wasser aus dem Fluss extrem verschmutzt ist. Und das ist nur eines von leider vielen Beispielen.

Der sichere Betrieb  dieser Kohlebergwerke sowie die regelmÀßige Überwachung aller wichtigen Umweltparameter wie der Verschmutzungsgrade des Grund- und OberflÀchenwassers sind daher von entscheidender Bedeutung, um Umweltkatastrophen grâßeren Ausmaßes frühzeitig zu erkennen und zu verhindern.

Eine weitere Folge der russischen Invasion ist die notwendige Verlagerung der landwirtschaftlichen AktivitΓ€ten in Gebiete, die weiter von der Frontlinie entfernt sind, wie Bohdan Kutschenko, Experte fΓΌr die Erhaltung von Γ–kosystemen bei Ekodiya, hervorhebt. Da weite Teile der ukrainischen AgrarflΓ€chen entweder besetzt oder durch Minen und Munitionsreste belastet sind, wirkt sich der zunehmende landwirtschaftliche und wirtschaftliche Druck auf die FlΓ€chen in der ΓΌbrigen Ukraine negativ auf die biologische Vielfalt dieser Gebiete aus:

Die Verlagerung der landwirtschaftlichen AktivitÀten aus dem Osten und Norden des Landes in die sichereren zentralen und westlichen Regionen stellt ein Problem dar. Die âkologischen Folgen dieses Prozesses sind grâßtenteils negativ. Insbesondere wird die natürliche Umwelt unter Druck gesetzt, da mehr natürliche Ressourcen verbraucht werden. Das Land wird nun intensiv für landwirtschaftliche Belange genutzt, hierfür müssen zum Beispiel neue Infrastruktureinrichtungen in Gebieten gebaut werden, die vor der Invasion naturbelassen waren.

Bohdan Kutschenko NGO β€˜Ekodiya’

Experte fΓΌr Γ–kosystemschutz und Klimaanpassung. Durch seine frΓΌhere TΓ€tigkeit in mehreren Umweltorganisationen, darunter WWF-Ukraine und Environment People Law, verfΓΌgt Maksym ΓΌber umfangreiche Erfahrungen in der Analyse des rechtlichen Rahmens fΓΌr den Umweltschutz und in der Umweltanwaltschaft.

Die großflΓ€chige Verseuchung des ukrainischen Bodens mit Minen ist ein langfristiges Problem, das ΓΌber viele Jahrzehnte hinweg viele Lebewesen auf einer FlΓ€che von 147.000 km2 — einem Gebiet von der Grâße der HΓ€lfte Deutschlands — vernichten kann. Libkos berichtete von seinen umfangreichen Erfahrungen mit Fotoreportagen aus den ukrainischen Grenzregionen:

Bei unseren EinsΓ€tzen im Osten [der Ukraine] mΓΌssen wir oft mit eigenen Augen sehen, welche VerwΓΌstungen Russland in unserem Land anrichtet und wie Minen alles Leben zerstΓΆren. Niemand kann sagen, wie lange dies andauern wird, und das Schlimmste ist, dass die Entminung Jahrzehnte dauern kΓΆnnte. In der Zwischenzeit wird unser Land verwundet bleiben, und das Leben darauf wird nicht zurΓΌckkehren.

Die Verminung von Feldern und WΓ€ldern verwandelt einst wohlhabende und friedliche Orte in Todeszonen. Wo frΓΌher FeldfrΓΌchte angebaut wurden, kΓΆnnen jetzt jeden Moment versteckte Minen explodieren. Unsere schΓΆnen WΓ€lder sind zu Fallen geworden, unter denen nicht nur die Menschen, sondern auch die Tiere leiden. Die WΓ€lder sterben mitsamt ihrer Flora und Fauna, weil die Natur aufgrund von Minen und Beschuss keine Chance hat, sich zu erholen.

Libkos ein fotodokumentarisches Projekt

Die Gründer des Projekts, Konstantyn und Vlada, verfügen über umfassende Erfahrung im Filmen an einigen der gefÀhrlichsten Abschnitte der Front. Dadurch ermâglichen sie es der Welt, das Ausmaß der menschlichen und âkologischen Zerstârung in Echtzeit zu verfolgen.

Libkos

Umweltschutz im Krieg

In Zeiten, in denen sich die globale Klimakrise mit beΓ€ngstigender Geschwindigkeit zuspitzt und bewaffnete Konflikte viele LΓ€nder auf der ganzen Welt in Mitleidenschaft ziehen und unermessliches menschliches Leid verursachen, senden die WiderstandsfΓ€higkeit und der Widerstand der ukrainischen Zivilgesellschaft, der Umweltorganisationen und der Aktivist:innen eine klare Botschaft: Die Natur sollte niemals ein untergeordnetes Thema sein. Das Wichtigste, was die Welt aus der ukrainischen Erfahrung lernen kann, ist, dass man auch in Zeiten schwerer Krisen weiter Umweltschutz betreiben kann und sollte. Bohdan Kutschenko sagt hierzu:

Was die wertvollen Erfahrungen angeht, welche die Ukraine mit der Welt teilen kann, so ist es für mich die Art und Weise, wie sich zivilgesellschaftliche Organisationen oder Umweltinstitutionen an die neuen Kriegsbedingungen angepasst haben. [...] Die Menschen setzten ihre wichtige Arbeit fort, auch unter den Bedingungen der Besatzung. Ein bekannter Fall ist zum Beispiel das BiosphÀrenreservat Askania Nova. Es ist zwar nicht das einzige, das [unter der Besatzung] seine Arbeit fortsetzen konnte. Dabei waren die Arbeiter:innen in der Lage, das Reservat über ein Jahr lang weiterzuführen, einschließlich der wissenschaftlichen AktivitÀten, solange es mâglich war.

Und selbst jetzt, wo es nur noch technische ArbeitskrÀfte gibt, die sich um die Tiere kümmern, und obwohl gibt es natürlich FÀlle, in denen die Besatzer begonnen haben, einige Tiere nach Russland zu transportieren, arbeiten diejenigen, die geblieben sind, solange es mâglich ist. Mit Unterstützung der lokalen Bevâlkerung arbeiten sie für die Erhaltung, denn diese Tiere befinden sich schließlich nicht unter vâllig natürlichen Bedingungen, und ohne Aufsicht wird diese einzigartige Sammlung von Tieren, die vor über 100 Jahren geschaffen wurde, einfach sterben.

Diese Arbeit unter den Bedingungen der Besatzung ist zwar ein klares Zeichen für enorme Hingabe und Tapferkeit, aber das Leben und die Sicherheit dieser Arbeiter:innen sind ernsthaft bedroht, da Zivilist:innen, die unter der Besatzung leben, willkürlich von den russischen StreitkrÀften gefoltert, unrechtmÀßig inhaftiert und verschwinden kânnen, wie Human Rights Watch berichtet. Die zunehmende Militarisierung der Schutzgebiete, die oft als Übungs- und RaketenabschussplÀtze genutzt werden, schafft zusÀtzliche Sicherheitsrisiken.

Da die regionalen Γ–kosysteme eng miteinander verbunden sind, ist die Arbeit zur Milderung der Umweltauswirkungen des Krieges am effektivsten, wenn sie in Zusammenarbeit zwischen den LΓ€ndern erfolgt. Gemeinsame Forschungs- und Wiederherstellungsarbeiten, die sich auf das Fachwissen sowohl der EU als auch der ukrainischen UmweltschΓΌtzer:innen stΓΌtzen, sind nicht nur eine gegenseitige Bereicherung, sondern haben auch eine hΓΆhere Erfolgswahrscheinlichkeit.

β€žIch denke, es ist wichtig, Ukrainer:innen im Ausland und ukrainische NGOs zu unterstΓΌtzen, die Umweltschutz betreiben. [...] Scheuen Sie sich nicht, ΓΌber Lwiw und Kyjiw hinauszugehen, um mit eigenen Augen die Auswirkungen des Krieges nicht nur auf die Infrastruktur, sondern auch auf die Umwelt zu sehen. Werden Sie auf kommunaler Ebene aktiv, bauen Sie eine Zusammenarbeit nicht nur zwischen LΓ€ndern, sondern auch zwischen kleinen Gemeinden auf, und helfen Sie an der Basis. Dabei kann es sich um eine kleine Initiative handeln — Hilfe bei der Wiederherstellung eines WaldstΓΌckes, bei der Renaturierung bereits entminter Gebiete oder der Ufer von Stauseen, bei der DurchfΓΌhrung einer gemeinsamen Berechnung der Population von Arten, die unter dem Krieg leiden. ... Die Hauptsache ist, nicht gleichgΓΌltig zu sein und daran zu glauben, dass nicht nur auf staatlicher Ebene etwas getan werden kann.” meinte Anastasiia Bondarenko.

Wie zuvor dargelegt, ist die ukrainische Gemeinschaft von Umweltaktivist:innen, Forschenden und Freiwilligen stark und hat bewiesen, dass sie in der Lage ist, trotz der zahlreichen Herausforderungen des Krieges sinnvolle Maßnahmen zum Schutz der Natur und der Tierwelt zu ergreifen. Ein Großteil dieser Arbeit wÀre jedoch ohne die Unterstützung von umweltbewussten Menschen aus aller Welt kaum mâglich. Auch wenn praktische Hilfe, wie die Teilnahme an Rettungs- und Forschungsmissionen, für viele nicht mâglich ist, so ist doch ein wichtiger erster Schritt, der Ukraine zu helfen, indem man sich über die von Russland begangenen Umweltverbrechen informiert und seine Stimme erhebt.